Geht es um das Thema Gleichberechtigung, gibt es noch immer viele Stimmen, die diesen leider weiterhin notwendigen Kampf als überflüssig abtun.
Schließlich seien wir vor dem Gesetz bereits alle gleich. Daher sei es unnötig, diesem Thema weiterhin eine derart große Aufmerksamkeit zu widmen.
Dabei wird oft vergessen, dass viele Rechte, die für die LGBTIQ+-Community erkämpft wurden, noch nicht lange bestehen und dass bis heute noch immer keine vollständige Gleichstellung mit heteronormativen Personen erreicht ist.
Erst vor sieben Jahren wurde die Ehe für alle durch eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes ermöglicht. Davor sprach sich mehr als die Hälfte der Abgeordneten im Nationalrat gegen diese Gleichstellung aus.
Auch der Regenbogenfamilienbeschluss ist erst zwei Jahre alt. Seitdem genießen Eltern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften dieselbe rechtliche Absicherung wie andere. Dafür war ebenfalls eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes notwendig.
Selbst beim Diskriminierungsschutz bestehen weiterhin Ungleichheiten. Außerhalb der Arbeitswelt schützt das Gesetz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit, nicht jedoch aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.
Wie gravierend diese Schutzlücken sind, zeigen zahlreiche Studien. So erleben 89 % der in Österreich lebenden LGBTIQ+-Personen Diskriminierung in verschiedenen Lebensbereichen – etwa beim Wohnen, in der Arbeitswelt, im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich, bei Behörden, bei Dienstleistungen oder im Internet.
Zudem stieg die Zahl der Hassverbrechen gegen LGBTIQ+-Personen in Österreich allein von 2022 auf 2023 um 20 %.
Eine große Herausforderung ist vor allem die gesellschaftliche Normalisierung sprachlicher Gewalt. Abwertende Bemerkungen, Beleidigungen oder stereotype Darstellungen werden oft als “Humor” gerechtfertigt. Dabei muss jedoch allen bewusst sein, dass diese ausgrenzende Sprache ein gesellschaftliches Klima schafft, in dem Diskriminierung weiterhin einen Platz hat. Deshalb ist es notwendig, nicht nur selbst auf solche Aussagen zu verzichten, sondern auch andere darauf aufmerksam zu machen und ihnen entgegenzutreten.
Aus diesen Gründen ist es weiterhin notwendig, öffentliche Solidarität mit der LGBTIQ+-Community zu zeigen. Diskriminierung und Hass dürfen nicht unter dem Deckmantel der persönlichen Meinung gerechtfertigt werden.
Denn Zusammenhalt braucht Sichtbarkeit.

Quellen:
Österreichisches Parlament. (2023, 7. November). LGBTIQ: Diskriminierung belastet Gesundheit. https://www.parlament.gv.at/aktuelles/pk/jahr_2023/pk1142
Der Standard. (2025, 21. März). Hassverbrechen gegen LGBTIQ-Personen in Österreich um 20 Prozent gestiegen. https://www.derstandard.at/story/3000000262405/hassverbrechen-gegen-lgbtiq-personen-in-oesterreich-um-20-prozent-gestiegen
Siegel, M., Nöstlinger, C., Dürrauer, F., Kirchner, S., Niederkrotenthaler, T., & Zemp, M. (2023). Psychische Gesundheit von LGBT-Jugendlichen in Österreich: Scoping Review und Forschungsagenda auf Basis internationaler Evidenz*. Neuropsychiatrie, 37(4), 196–205. https://doi.org/10.1007/s40211-022-00436-x








